— Ist sie schwanger? Nein? Warum brauchst du dann dieses arme Mädchen? Ihr gehört doch zu völlig unterschiedlichen Welten! — schrie die Mutter schrill.

– Sohn, warum ist sie so dünn? – fragte Lidia Pawlowna leise ihren Dmitri, während er ihr in der Küche half.

– Mama, was redest du? Katja ist ein wunderbares Mädchen, ich liebe sie aufrichtig.

Genau deshalb wollte ich, dass du sie kennenlernst, – antwortete Dmitri ruhig.

– Na gut, wir werden sie schon aufpäppeln, – spottete die Mutter.

Als sie zum Tisch zurückkehrten, begann Lidia Pawlowna, Katja mit Fragen zu löchern.

Ihren älteren Sohn Oleg hatte sie bereits verheiratet, doch die Schwiegertochter gefiel ihr überhaupt nicht — ihrer Meinung nach war sie kalt und berechnend.

Nun arbeitete Oleg im Schichtdienst weit weg, und seine Frau hielt ihn streng unter Kontrolle, sodass er kaum noch mit seiner Mutter sprach.

Den zweiten Sohn wollte Lidia Pawlowna nicht verlieren, deshalb war sie bei der Wahl der zukünftigen Schwiegertochter besonders kritisch.

– Katja, sag mal, kannst du kochen? – fragte sie mit zusammengekniffenen Augen.

– Mama, Katja ist eine ausgezeichnete Hausfrau! – warf Dmitri schnell ein.

– Warte, Dimotschka. Dein Kopf ist voller Gefühle, aber ich brauche eine nüchterne Einschätzung.

Also machen wir es so: Nächste Woche lerne ich deine Eltern kennen, – erklärte Lidia Pawlowna an Katja gewandt. – Mir passt es am Mittwochabend.

– Aber meine Eltern arbeiten lange. Meine Mutter wird es kaum schaffen, alles vorzubereiten. Wäre Sonntag nicht besser? – schlug Katja schüchtern vor. – Dann hat sie genug Zeit, alles zu organisieren.

– So ist das also? – hob Lidia Pawlowna die Augenbrauen. – Gibt sie schon Anweisungen?

– Keine Anweisungen, – erwiderte Katja ruhig.

– Gut, dann sei es so, – nickte die Schwiegermutter gönnerhaft. – Sonntag also.

Katjas Eltern lebten am Stadtrand in einem alten Haus.

Lidia Pawlowna musste mit dem Taxi dorthin fahren, und das brachte sie schon in schlechte Laune.

Als sie die abgenutzte Wohnungstür sah, verzog sie das Gesicht.

Dmitri kam früher, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Die Wohnung war alt, aber sauber und gemütlich.

– Dima, sind sie völlig arm? – flüsterte die Mutter, während sie sich umsah.

– Das spielt keine Rolle, – entgegnete er streng.

– Natürlich spielt es keine Rolle! – schlug sie die Hände zusammen. – Oleg schuftet bereits für so eine Bedürftige. Willst du auch dein Leben ruinieren?

Aus dem Flur kam eine freundliche Frau um die fünfzig.

– Guten Tag, ich bin Marina Sergejewna, Katjas Mutter.

– Sehr erfreut, – sagte Lidia Pawlowna kühl.

Im Wohnzimmer wartete ein Mann mit Brille.

– Guten Tag. Andrei Wiktorowitsch, Vater von Jekaterina, – stellte er sich höflich vor.

Auf den ersten Blick gefiel er Lidia Pawlowna nicht — da sitzt er einfach nur herum.

Sie wusste nicht, dass der Mann bei der Arbeit einen schweren Unfall erlitten hatte und nun nur mühsam laufen konnte.

Beim Essen kam das Gespräch nur schwer in Gang.

Andrei Wiktorowitsch versuchte, die Unterhaltung am Laufen zu halten, doch Lidia Pawlowna antwortete kühl und knapp.

Erst als Marina Sergejewna eine Ente mit Äpfeln servierte — eine seltene Delikatesse für ihre Familie — wurde die Atmosphäre etwas entspannter.

– Wir freuen uns sehr, dass unsere Kinder uns zusammengebracht haben, – sagte die Gastgeberin herzlich.

– Nur nicht zu schnell, meine Liebe, – unterbrach sie Lidia Pawlowna. – Sie sind ja nicht einmal verlobt.

– Mama, ich habe Katja bereits einen Antrag gemacht, – gestand Dmitri unerwartet.

Vor Schreck ließ Lidia Pawlowna ihr Glas fallen — der Wein ergoss sich über ihr Kleid.

– Dima! – rief sie. – Und deine Mutter? Mein Rat?

– Das ist mein Leben. Ich will es mit Katja verbringen, – sagte Dmitri entschlossen. Unter dem Tisch drückte Katja sanft seine Hand.

– Ist sie schwanger? – warf die Mutter scharf ein.

– Nein! – empörte sich Dmitri.

– Warum dann dieses arme Mädchen? Sie ist dir nicht ebenbürtig! – schrie Lidia Pawlowna.

Marina Sergejewna hielt es nicht mehr aus:

– Stehen Sie auf und verlassen Sie mein Haus! Ich werde nicht zulassen, dass man meine Tochter beleidigt!

– Sie sollten besser gehen, – fügte Andrei Wiktorowitsch ruhig hinzu.

– Wie Sie wollen! Dima, komm!

– Geh du. Ich bleibe, – antwortete der Sohn fest.

– Du stellst sie über deine Mutter? – zischte Lidia Pawlowna.

– Sie ist meine zukünftige Frau. Pass auf, was du sagst! – schnitt Dmitri ihr scharf das Wort ab.

Die Mutter knallte die Tür zu und ging.

Zwei Monate später feierte das junge Paar eine bescheidene Hochzeit.

Oleg kam mit seiner Familie, doch Lidia Pawlowna weigerte sich zu erscheinen — sie hielt die Ehe für einen Fehler.

Zur Feier überreichten Katjas Eltern ein Geschenk — die Schlüssel zu einer Zweizimmerwohnung.

– Wir haben jahrelang für unsere Tochter gespart. Nun habt ihr ein eigenes Zuhause, – sagte Andrei Wiktorowitsch.

Katja konnte ihre Tränen nicht zurückhalten — ihr Glück kannte keine Grenzen.

Das Paar zog in die eigene Wohnung, nicht weit von Katjas Eltern.

Marina Sergejewna kam oft vorbei, half im Haushalt und unterstützte ihre Tochter.

Als Lidia Pawlowna erfuhr, dass Katjas Eltern die Wohnung geschenkt hatten, packte sie die Wut.

Sie versuchte, die Beziehung zu verbessern, aber Marina und Andrei hatten ihren wahren Charakter erkannt und hielten Abstand.

Ein Jahr später, am Hochzeitstag, tauchte Lidia Pawlowna plötzlich an ihrer Tür auf.

Katja empfing sie mit deutlich rundem Bauch.

– Na sowas! Ihr habt ja schon alles geschafft! – sagte die Schwiegermutter spöttisch.

– Wir haben es verschwiegen, weil wir Ihre Reaktion fürchteten, – erklärte Katja ruhig.

– Also erfahre ich es als Letzte? – fragte Lidia Pawlowna bitter.

– Ja. Weil Sie sich nicht freuen können, wenn andere glücklich sind. Es ist Zeit, dass Sie gehen, – sagte Katja und öffnete die Tür.

– Wirfst du mich hinaus? – lachte sie höhnisch.

– Ja, – antwortete Katja fest.

Seitdem ließ sich Lidia Pawlowna nicht mehr blicken.

Dmitri rief sie hin und wieder an, aber die frühere Nähe war verschwunden.

Katjas Eltern hingegen erwarteten voller Liebe und Zärtlichkeit die Geburt ihres Enkels.

Eines Abends schlug Marina Sergejewna vor, den Jungen nach seinem Großvater zu benennen.

Dmitri und Katja waren begeistert einverstanden — es war ein Symbol für eine starke und liebevolle Familie.

Als in ihrer Wohnung das erste Weinen des Babys erklang und Tränen des Glücks in den Augen aller glänzten, wussten sie: Ihr Zuhause würde erfüllt sein von Liebe, Fürsorge und Verständnis.

Für Bosheit, Neid und Kälte war dort kein Platz mehr.