Der Mann arbeitete schon viele Jahre auf dem Friedhof.
Er war bekannt als ein ruhiger, ernsthafter und vor allem völlig aberglaubenfreier Mensch.

Er glaubte nie an Geister oder irgendwelche übernatürlichen Erscheinungen, über die die Stadtbewohner gerne tuschelten.
Für ihn war der Friedhof lediglich ein Arbeitsplatz: Ruhe, Ordnung und Stille.
Doch in den letzten Wochen hatte sich etwas verändert.
Jede Nacht, pünktlich um Mitternacht, waren in der Totenstille unheimliche Geräusche zu hören.
Zunächst hörte es sich wie Schritte an — mal rechts, mal links, und manchmal direkt hinter seinem Rücken.
Doch sobald er mit der Taschenlampe hinausging, war niemand zu sehen.
Nur Gräber, Kreuze, Steinplatten und das Rascheln des Windes in den Bäumen.
Nach einigen Tagen kamen zu den Schritten dumpfe Klopfgeräusche und ein seltsames Scharren hinzu, als ob jemand in der Erde wühlte.
Der Wächter saß in seiner Hütte, lauschte, und sein Herz begann unwillkürlich schneller zu schlagen.
Natürlich verscheuchte er die Gedanken an Geisterwesen, doch das Gefühl der Unruhe ließ ihn nicht los.
In einer besonders kalten Nacht goss er sich heißen Tee ein, setzte sich ans Fenster und horchte.
Wieder waren diese seltsamen, unnatürlichen Geräusche zu hören.
Keine Schreie, kein Wind.
Es klang, als würde jemand vorsichtig und langsam Erde umgraben.
So konnte es nicht weitergehen.
Am nächsten Tag holte er eine alte Videokamera, tarnte sie sorgfältig und stellte sie zwischen die Grabsteine.
Die Kabel versteckte er unauffällig, damit sie niemand bemerkte.
Nun sollte alles, was in der Nacht geschah, aufgezeichnet werden.
Als es dunkel wurde, saß der Wächter wieder in seiner Hütte.
Die Geräusche kamen immer näher, und in seinem Kopf entstanden düstere Bilder.
Doch am Morgen, als er die Aufnahmen ansah, lief ihm ein Schauer über den Rücken.
Auf dem Bildschirm waren Menschen zu sehen.
Mehrere Männer mit Kapuzen und Werkzeugen.
Sie gruben langsam frische Gräber auf und holten Gegenstände heraus: wertvolle Schmuckstücke, Ketten, Ringe und sogar Kleidungsstücke.
Alles packten sie in große Säcke.
Der Wächter konnte seinen Augen kaum trauen.
Furchteinflößend war nicht, dass es Geister hätten sein können, sondern dass lebendige Menschen zu solch einer Tat fähig waren.
Er sammelte alle Aufnahmen und brachte sie zur Polizei.
Zunächst glaubte man ihm nicht und dachte, es seien nur ein paar Jugendliche, die einen Streich spielen wollten.
Doch als man das Videomaterial sah, war klar — es handelte sich um eine organisierte Bande von „Friedhofsräubern“, die schon lange ihr Unwesen trieben.
Einige Tage später stellte die Polizei in einer Nacht eine Falle auf dem Friedhof.
Und tatsächlich — die Diebe kamen zurück.
Sie wurden auf frischer Tat ertappt und verhaftet, dank der Aufmerksamkeit und Entschlossenheit des Wächters.



