— Anton! Mir geht es so schlecht… — entfuhr es Mascha, als ob jedes Wort aus einem zerbrochenen Herzen herausgerissen würde.
Ihre Finger, die sich totenstarr um das Lenkrad klammerten, wurden weiß, als wären sie aus Stein, als ob statt Blut eiskaltes Eis durch ihre Adern floss.

In ihrer Brust tobte nicht nur Schmerz, sondern wahre Qual: als ob schwere eiserne Schraubzwingen sich in ihr Herz verbissen, es langsam zusammendrückten und umdrehten, es von innen zerreißend.
Jeder Atemzug kostete sie unglaubliche Anstrengung, jeder Herzschlag schien ein Vorbote eines schrecklichen Unheils.
— Was ist mit dir? Mascha! Halt das Auto an! Sofort! — rief Anton, seine Stimme klang von Panik erfüllt.
— Ich kann nicht… — brachte sie kaum hörbar hervor, ihre Lippen bewegten sich, aber ihre Beine schienen an den Pedalen festgewachsen. — Ich spüre sie… nicht…
Anton riss die Hände nach dem Lenkrad, packte es über ihre Hände hinweg und spürte, wie das Metall und der Körper seiner Frau unter seinen Handflächen bebten.
Das Auto schwankte wie ein angeschossenes Tier auf der Straße, riss plötzlich nach links und wäre fast unter die Räder eines riesigen Lastwagens geraten, dessen ohrenbetäubendes Horn die Luft wie ein Schuss durchschnitt.
Von hinten ertönten wütende Hupen — die Fahrer bremsten entsetzt ab.
— Tritt auf die Bremse! Fahr an den Straßenrand! Schnell! — schrie Anton, während er versuchte, die Spur zu halten.
Mit zitternden Fingern schaffte es Mascha, an den Rand der Fahrbahn zu lenken.
Der Wagen kam zum Stillstand, als hätte er seinen letzten Atemzug getan.
Mascha sank in den Sitz zurück und schnappte nach Luft wie ein Mensch, der im Wasser ertrinkt.
Ihr Gesicht war aschfahl geworden, ihre Lippen bläulich wie bei einem Toten.
Ihre Augen begannen nach hinten zu rollen.
— Atme! Maschenka, atme tiefer! — Anton schüttelte sie an den Schultern, aber sie antwortete nicht.
Er sprang aus dem Auto, lief um die Motorhaube herum und riss die Tür auf.
Mascha war fast bewusstlos — bleich, eiskalt, ihr Puls am Hals schlug stockend, unregelmäßig, als wollte das Herz entkommen aus dem Körper, der es verraten hatte.
— Es reicht! Steig rüber! Jetzt fahre ich! — brüllte er, während er seine Frau wie ein Kind auf die Arme nahm.
— Anton… du hast doch getrunken… — krächzte sie, versuchte zu widersprechen.
— Egal! Scheiß auf alles! Wir fahren ins Krankenhaus, und zwar sofort! — seine Stimme bebte, aber darin klang unbeugsame Entschlossenheit.
Er setzte Mascha auf den Sitz neben sich, schlug die Tür zu und sprang ans Steuer.
Er startete den Motor, drückte das Gaspedal bis zum Anschlag.
Der Zeiger des Tachos schnellte hoch — 120, 140, 160 km/h.
Der Wind peitschte gegen die Windschutzscheibe, der Wagen brüllte wie ein wildes Tier in Raserei.
Mascha stöhnte, drückte die Hand an ihre Brust, als wollte sie ihr Herz darin festhalten.
— Halte durch, meine Liebe… noch zehn Minuten… wir sind fast da… — murmelte Anton, während er das Lenkrad so fest umklammerte, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.
— Anton… falls… die Kinder… pass auf sie auf… — flüsterte sie, und Tränen glänzten in ihren Augen.
— Schweig! — schrie er, und eigene Tränen liefen ihm übers Gesicht. — Kein „falls“! Du wirst leben! Du wirst noch hundert Jahre leben! Hörst du? Hörst du mich?!
Doch innerlich flehte er: Nur rechtzeitig ankommen. Nur nicht zu spät. Nur, dass ihr Herz durchhält…
Alles begann ein halbes Jahr zuvor.
Nach der zweiten Geburt.
Nach der Geburt von Serjoscha — einem kräftigen Jungen, 4 Kilo 200 Gramm.
Die Entbindung dauerte zwei Tage, mit Notstimulation, beinahe wäre es ein Kaiserschnitt geworden.
Mascha wurde auf Krücken aus der Entbindungsklinik entlassen, eine Woche lang konnte sie nicht aus dem Bett aufstehen.
Ihr Körper war völlig erschöpft, wie ein ausgewrungenes Tuch.
Und einen Monat später kam der erste Anfall.
Nachts.
Sie fuhr hoch, weil ihr Herz so heftig schlug, als wolle es herausspringen.
Es hämmerte, pochte, als würde es den Brustkorb von innen zerreißen.
Es schien, als würde es gleich einfach zerplatzen.
— Anton! Ruf den Notarzt! — stöhnte sie atemlos.
— Was ist los? — er sprang auf, verstand nichts.
— Das Herz… es… wird gleich zerreißen…
Hastig suchte er nach dem Telefon, aber bis er es fand, ließ der Schmerz bereits nach.
Mascha setzte sich hin, trank etwas Wasser, fasste sich wieder.
— Vorbei… bestimmt nur Nerven. Zu viel Aufregung.
— Bist du sicher? Vielleicht sollten wir trotzdem Ärzte rufen?
— Nicht nötig. Wir wecken Serjoscha. Später schaffen wir das.
Doch dieses „später“ kam nie.
Am Morgen bestand Anton darauf — zum Arzt zu gehen, zum Kardiologen, wenigstens zum Hausarzt.
Aber Mascha wischte es weg, wie eine lästige Fliege.
— Keine Zeit, Anton. Kinder, Haus, Sorgen… ich gehe später.
Dieses „später“ zog sich über Monate.
Und sie ging nie.
Sie hatte Angst.
Was, wenn die Diagnose furchtbar wäre? Was, wenn eine Operation nötig wäre? Wer würde dann bei den Kindern bleiben?
Wer würde sich ums Haus kümmern? Wer würde bleiben, wenn sie nicht mehr wäre?
Doch die Anfälle kehrten zurück.
Zuerst einmal die Woche.
Dann zwei-, dreimal.
Und schließlich — jeden Tag.
Mascha gewöhnte sich, allein zurechtzukommen: atmete tief, fing an zu husten, drückte die Hand auf die Brust, nahm Validol.
Manchmal half es.
Manchmal — nicht.
Anton bemerkte alles.
Er sah, wie ihr Gesicht bleich wurde, wie der Schweiß auf ihrer Stirn stand, wie sie sich im Schlaf an die Brust fasste.
Doch er schwieg.
Die Angst hielt ihn zurück.
Er fürchtete sich davor, die Wahrheit zu hören, die ihr Leben verändern würde.
Es war leichter, sich einzureden, dass es nur Erschöpfung sei, dass es bald vorübergehe, dass der Körper sich einfach „umstelle“.
— Mascha, willst du dich nicht mal untersuchen lassen? — fragte er vorsichtig, bemüht, nicht vorwurfsvoll zu klingen.
— Wozu? Es vergeht von allein. Nach der Geburt verändert sich der Körper, — winkte sie ab.
— Seit einem halben Jahr „verändert“ er sich schon, — entgegnete er bitter.
— Na und? Bei Lenka hatte sie nach der zweiten Geburt ein ganzes Jahr lang Kopfschmerzen. Es ging auch vorbei.
So lief es jedes Mal.
Ausreden, Beschwichtigungen, eine Furcht, die stärker war als der Schmerz, stärker als die Vernunft, stärker als die Liebe.
Zum Angeln fuhren sie spontan.
Es war Freitag, die Kinder bei der Großmutter, die Sonne vergoss goldenes Licht, der Himmel so klar wie eine Träne.
Das Wetter war wie gemalt.
— Wollen wir an den See fahren? — schlug Anton vor.
— Ja! Ich brauche Abstand von der Stadt, — antwortete Mascha mit einem Lächeln.
Sie packten Zelt, Schlafsäcke, Angeln, den Grill, Essen und eine Flasche Wein.
Mascha fühlte sich fast glücklich.
Sie wunderte sich sogar — schon eine ganze Woche lang keine Anfälle.
— Siehst du? Ich habe dir doch gesagt, es geht von allein vorbei! — lachte sie.
— Hoffentlich, — murmelte Anton, doch in seinem Inneren zweifelte er.
Der See empfing sie mit Stille, mit dem Duft von Kiefern und frischer Luft.
Die Vögel sangen, der Wind raschelte im Schilf.
Sie stellten das Zelt auf, entzündeten ein Feuer.
Anton ging angeln, während Mascha Suppe kochte.
Am Abend gab es Schaschlik, Kartoffeln in der Schale, Bier für Anton, Kräutertee für Mascha.
Sie saßen am Feuer und blickten zu den Sternen, die so niedrig hingen, dass man sie fast berühren konnte.
— Wie schön es ist… — seufzte Anton. — Das sollten wir öfter machen.
— Da stimme ich zu. Nur mit den Kindern ist es komplizierter.
— Macht nichts. Wenn sie größer sind, fahren wir alle zusammen.
Sie schliefen im Zelt ein — glücklich, entspannt, zufrieden.
Am Morgen badeten sie im kühlen Wasser, genossen die Sonne, lachten, grillten.
Mascha fühlte sich jung, stark, voller Leben.
„Vielleicht ist es wirklich vorbei? — dachte sie und schaute Anton an. — Vielleicht habe ich mich völlig umsonst gefürchtet?“
Gegen Mittag packten sie zusammen.
Anton hatte drei Flaschen Bier getrunken — nicht betrunken, aber fahren wollte er nicht.
— Fahrst du, Mascha?
— Natürlich, — sagte sie lächelnd.
Die erste Stunde verging leicht.
Sie lachten, erinnerten sich an ihre Kindheit, schmiedeten Urlaubspläne.
Dann kam die Stille.
Und in dieser Stille — die ersten Stiche in der Brust.
Zuerst schwach, kaum bemerkbar.
— Anton, mach bitte das Fenster auf. Mir ist so stickig, — sagte sie.
— Mach die Klimaanlage an.
— Hilft nicht…
Die Luft war da, aber die Lungen wollten sie nicht aufnehmen.
Ihr Herz schlug immer schneller — 120, 140, 160 Schläge pro Minute.
Und dann — ein Schlag, als träfe sie ein Hammer in die Brust.
Mascha schrie auf.
— Was?! Mascha! Was passiert?!
— Mein Herz… Anton… mir geht es sehr schlecht… — krächzte sie.
Von da an war alles wie in einem Alptraum.
Der Straßenrand.
Platzwechsel.
Rasende Fahrt.
Wind, Motorenlärm, Sirenen.
Am Stadteingang wurden sie von der Polizei gestoppt.
— Fahrer, Papiere bitte!
— Ins Krankenhaus! Meiner Frau geht es schlecht! — rief Anton.
Der Polizist beugte sich ins Auto.
Er sah Mascha — graues Gesicht, blaue Lippen, ringend nach Luft.
Wortlos schaltete er das Blaulicht ein.
— Hinter uns her!
In fünf Minuten waren sie am Krankenhaus.
Geschrei, Trage, Ärzte.
— Was ist passiert?
— Das Herz! Sie hat seit einem halben Jahr Anfälle!
— Nach der Geburt?
— Ja…
— Waren Sie bei einem Kardiologen?
— Nein…
Der Arzt schüttelte den Kopf.
Mascha wurde schon auf die Intensivstation gebracht.
— Anton… — flüsterte sie.
— Ich bin hier! Hab keine Angst! Es wird alles gut!
— Die Kinder…
— Denk nicht an sie! Denk jetzt nur an dich!
Sie wurde weggebracht.
Anton blieb auf dem Flur.
Er setzte sich auf die Bank, den Kopf in den Händen.
Sein Herz zerbrach.
„Idiot! Ich hätte sie mit Gewalt zum Arzt bringen müssen! Drängen! Bitten! Und ich habe an dieses ‚es geht von allein‘ geglaubt…“
Eine Stunde.
Zwei.
Drei.
Niemand kam heraus.
Am Abend erschien ein junger, erschöpfter Arzt.
— Sind Sie der Ehemann?
— Ja! Wie geht es ihr?!
— Schwer. Diagnose: Postpartale dilatative Kardiomyopathie. Das Herz ist vergrößert, die Auswurfleistung nur 30%. Das bedeutet, das Herz arbeitet nur mit einem Drittel.
— Und was heißt das?
— Jetzt stabilisieren wir sie. Danach — eine Operation. Vielleicht ein Schrittmacher. Oder… — er zögerte, — eine Transplantation.
Anton sackte zusammen.
Seine Welt brach zusammen.
Er rief seine Schwiegermutter an.
— Mama, wir sind im Krankenhaus. Mascha… ihr Herz.
— Mein Gott! Was ist passiert?
— Anfall. Sie liegt auf der Intensivstation.
— Wir kommen sofort!
— Nein. Lasst die Kinder nicht allein. Ich bleibe hier.
Die Nacht zog sich endlos hin.
Anton trank Kaffee, ging hin und her, fragte nach.
— Der Zustand ist stabil. Warten Sie.
Am Morgen kam ein älterer Arzt.
— Sie dürfen hinein. Fünf Minuten.
Er betrat die Intensivstation.
Geräte piepsten, überall Kabel und Schläuche.
Mascha — bleich, am Beatmungsgerät, im Koma.
— Mascha… meine Liebe…
Ihre Lider zuckten.
Die Augen öffneten sich.
Sie versuchte zu lächeln, doch es gelang nicht.
Eine Träne rollte herab.
— Ich bin bei dir. Du wirst es schaffen. Das verspreche ich.
Schwach drückte sie seine Hand.
— Die Zeit ist vorbei, — sagte die Schwester.
— Noch eine Minute!
— Es geht nicht.
Drei Tage später — ein Wunder.
Mascha atmete selbst.
Der Schlauch wurde entfernt.
— Anton… — flüsterte sie.
— Meine Liebste! Du lebst!
— Mir ist schwach… aber ich bin da…
— Das Wichtigste ist, dass du lebst.
— Die Kinder?
— Sie warten auf dich. Jeden Tag fragen sie, wann Mama zurückkommt.
— Ich hatte solche Angst… Dachte, es ist das Ende…
— Denk nicht daran. Du wirst gesund.
— Verzeih mir… dass ich nicht zum Arzt ging…
— Ich bin auch schuld. Wir beide.
— Hätten wir gleich reagiert… vielleicht hätten Tabletten gereicht…
— Jetzt zählt nur eins: du wirst behandelt.
Nach zwei Wochen wurde sie entlassen.
Anton empfing sie mit Blumen.
— Nach Hause… — flüsterte sie.
Daheim — die Kinder.
Katja fiel ihr um den Hals.
Serjoscha lachte über das ganze Gesicht.
— Mama! Du bist zurück!
— Und diesmal für immer, — sagte sie.
Am Abend, als die Kinder eingeschlafen waren, saßen sie in der Küche.
— Keine Selbstbehandlung mehr, — sagte Anton ernst.
— Versprochen. Es ist dumm, Angst vor Ärzten zu haben. Angst muss man vor der Krankheit haben.
— Bei den ersten Symptomen — sofort zum Arzt.
— Sofort.
— Du wirst wieder gesund. Du bist stark.
— Ich werde leben. Für euch. Lange. Glücklich.
Draußen — Frühling.
Die Vögel sangen.
Die Sonne schien.
Das Herz schlug.
Und das Wichtigste — es schlug weiter.



