Immer wieder blickte die Frau zu dem jungen Mann im weißen Unterhemd, betrachtete seine mit Zeichnungen bedeckten Arme, wandte sich dann abrupt dem Fenster zu und murmelte etwas missmutig vor sich hin.
Der Junge mit den Kopfhörern wirkte völlig abwesend — die laute Musik übertönte sämtliche Stimmen um ihn herum, und er schien weder die Blicke noch das Gemurmel wahrzunehmen.

Doch in einem Moment verlor die Großmutter die Geduld und brach aus:
— Ach, was ist nur aus der Jugend geworden! — rief sie laut. — Warum beschmiert ihr eure Körper mit solch teuflischem Zeug?
Der junge Mann nahm einen Kopfhörer heraus und fragte höflich:
— Oma, stört Sie etwas an mir?
— „Stört mich etwas?“ — äffte sie ihn spöttisch nach. — Mit so einem Körper wirst du den Himmel niemals sehen, das ist eine Todsünde!
Furchtbar und beschämend. Wie kann die Erde nur Leute wie dich tragen?
— Ich habe Ihnen doch nichts Böses getan, — antwortete er ruhig. — Es ist mein Körper, und ich habe das Recht, mit ihm zu tun, was ich will.
Doch seine Worte gossen nur Öl ins Feuer.
— Pfui! Zu unserer Zeit hätten wir niemals so mit Älteren gesprochen! — die Stimme der Frau wurde immer lauter.
— Wer hat dir überhaupt das Recht gegeben, in diesem Ton mit mir zu reden? Wegen Menschen wie dir ist das Land zugrunde gegangen!
Jetzt laufen alle herum, bemalt wie Dämonen! Wenn deine Eltern dich sehen würden, würden sie sich schämen.
Mit solchen Bildern wirst du niemals eine anständige Frau finden. Gott wird dich bestrafen, hörst du?
Du wirst umherirren, bis du begreifst, wie schwer deine Sünden sind!
Sie bekreuzigte sich, schüttelte missbilligend den Kopf und fügte voller Verbitterung hinzu:
— Mögen deine Hände verdorren, wenn du dein Fleisch noch einmal mit einer Nadel verunstaltest! Und mit jeder neuen Zeichnung soll deine Seele noch dunkler werden!
Der Junge antwortete nicht. Er seufzte nur tief und wandte den Blick zum Fenster.
Der Bus fuhr weiter, während die Frau nicht aufhörte zu schimpfen:
— Ach, mein Blutdruck steigt wegen dir, unverschämter Bengel! Gott sei Dank habe ich keine Kinder wie dich. Schande ist das, keine Jugend!
Doch plötzlich erblasste ihr Gesicht, und ihre Hand griff sich an die Brust.
— Oh… mir wird schlecht… ich bekomme keine Luft… — krächzte sie.
Die Mitfahrenden wandten gleichgültig die Augen ab: Einige taten so, als hätten sie nichts gehört, andere schauten einfach weg. Niemand rührte sich.
Nur der junge Mann mit den Tätowierungen nahm beide Kopfhörer ab und sah die Frau aufmerksam und ernst an.
Dann sagte er, völlig unerwartet für alle, leise, aber bestimmt:
— Oma… ich bin Sanitäter.
Der Bus erstarrte. Es schien, als sei selbst die Zeit für einen Augenblick stehen geblieben.
Sofort eilte der junge Mann zu ihr. Schnell, sicher und ohne Hektik nahm er ihr den schweren Schal ab, öffnete den obersten Knopf der Jacke und half ihr, tiefer zu atmen.
— Atmen Sie ruhig… keine Panik, — sprach er mit sanfter Stimme, die überhaupt nicht mehr an den „unhöflichen Jungen“ erinnerte, als den die Frau ihn eben noch bezeichnet hatte.
Er handelte souverän und zielstrebig, als wäre ihm all das längst vertraut: prüfte den Puls, richtete die Frau leicht auf, damit sie besser Luft bekam.
— Sie hat einen starken Krampf, der Blutdruck schwankt, — sagte er rasch und zog sein Telefon hervor. — Wir brauchen sofort einen Krankenwagen.
Er wählte die Nummer und gab klar und professionell die Adresse, die Buslinie und den Zustand der Frau durch.
— Halten Sie durch, Oma, gleich sind die Ärzte da, — sagte er und sah ihr fest in die Augen.
— Ich bleibe bei Ihnen, alles wird gut.
Die Frau, immer noch blass und geschwächt, öffnete mühsam die Lider.
In ihrem Blick blitzten für einen Moment Überraschung und Verlegenheit auf.
Es schien, als wolle sie etwas sagen, doch die Kraft reichte nicht — nur ein schwaches Nicken war die Antwort.



