— Du wirst nicht einmal ein Stück meiner Wohnung bekommen! — zischte ich meinem Mann entgegen, als ich ihn mit seiner Sekretärin in unserem Haus erwischte.

Das weiße Kleid floss in weichen Wellen aus kostbarer Seide über Marias Gestalt.

Sie stand vor dem Spiegel und konnte ihr Glück kaum fassen.

Heute heiratete sie Ivan.

Genau jenen Wanja, der sie vor drei Jahren buchstäblich vor der Einsamkeit gerettet hatte.

— Mascha, bist du fertig? — die Mutter schaute ins Zimmer, und ihre Augen glänzten verräterisch. — Was bist du schön!

— Mama, bitte weine nicht, — Maria drehte sich zu ihr um und umarmte sie fest. — Ich bin so glücklich! Wanja ist so wunderbar, so fürsorglich.

Die Zeremonie verging wie in einem märchenhaften Nebel.

Maria erinnerte sich nur an Ivans Augen — warm, braun und voller Zuneigung.

Als er ihr den Ring ansteckte, zitterten seine Hände leicht vor Aufregung.

— Jetzt gehörst du für immer mir, — flüsterte er ihr nach dem Kuss ins Ohr.

— Und du mir, — antwortete Maria, und ihr Herz schlug so heftig, dass es fast aus der Brust springen wollte.

Beim Bankett wich Maria ihrem Mann keinen Moment von der Seite.

Sie hielt seine Hand, lehnte sich an seine Schulter, fing jeden seiner Blicke auf.

Ivan war das Zentrum ihres Universums, ihre Sonne, um die sich ihr ganzes Leben drehte.

— Küsschen! — riefen die Gäste immer wieder.

Ivan zog Maria eng an sich, und sie löste sich völlig in seiner Umarmung auf.

In diesem Augenblick hörte die ganze Welt auf zu existieren.

Es gab nur sie beide — Mann und Frau.

Einen Monat nach der Hochzeit stand Maria mitten im Badezimmer ihrer Zweizimmerwohnung.

Die Wohnung hatte sie zwei Jahre zuvor gekauft, noch bevor sie Ivan kannte.

Ein Neubau, hell, mit großen Fenstern.

Nur das Bad brauchte eine gründliche Renovierung.

— Mascha, lass uns diese Fliesen nehmen, — Ivan hielt ein Muster mit beigefarbenen Kacheln in der Hand. — Es wird hell und gemütlich aussehen.

— Nein, Wanja, besser diese bläulichen, — Maria schmiegte sich an seine Schulter. — Stell dir vor, wie schön das wird!

Ivan umarmte seine Frau und küsste sie auf die Schläfe.

— Gut, dann nehmen wir die blauen. Für dich alles, — sagte er, nahm den Spachtel und begann, die alten Fliesen abzuschlagen.

— Aber hilf mir, sonst brauche ich bis zur Rente.

Maria lachte und griff nach einem zweiten Spachtel.

Sie arbeiteten zusammen, warfen sich Scherze zu, und Maria dachte daran, wie viel Glück sie hatte.

Ivan war nicht nur ihr Ehemann — er war Freund, Helfer, Stütze.

— Weißt du, ich habe immer davon geträumt, dass mein Mann so mit mir Hand anlegt beim Renovieren, — gestand sie, wischte sich den Schweiß von der Stirn.

— Und nicht einfach mit der Fernbedienung auf dem Sofa sitzt.

— Ich kann dich doch nicht mit diesem Albtraum allein lassen, — Ivan deutete auf die kahlen Wände.

— Außerdem ist es jetzt auch mein Zuhause.

Ein halbes Jahr ihres gemeinsamen Lebens war vergangen.

Der Morgen war sonnig und ruhig.

Maria saß in der Küche mit einer Tasse Kaffee und beobachtete Ivan, der am Herd hantierte.

Der Duft von Pfannkuchen erfüllte den kleinen Raum.

— Wanja, du bist ja ein richtiger Koch, — lächelte sie. — Wo hast du das gelernt?

— Das Junggesellendasein hat’s mir beigebracht, — antwortete Ivan, während er gekonnt den nächsten Pfannkuchen wendete. — Von Pelmeni allein kann man nicht leben.

Maria betrachtete seinen breiten Rücken, seine sicheren Bewegungen, und ihr Herz füllte sich mit Wärme.

Sie fühlte sich wie die glücklichste Frau der Welt.

Sie hatte einen liebenden Mann, eine gemütliche Wohnung, eine sichere Arbeit.

Was konnte sie sich noch wünschen?

Ivan drehte sich um, kam zu ihr und küsste sie sanft auf den Scheitel.

Er roch nach Pfannkuchen und Herrenduft — eine Mischung, die ihr den Kopf verdrehte.

Ivan stellte einen Teller mit einem Stapel goldbrauner Pfannkuchen auf den Tisch und setzte sich ihr gegenüber.

— Iss, solange sie heiß sind, — er schob ihr die saure Sahne und Marmelade hin.

— Erzähl, wie läuft’s bei dir auf der Arbeit? — fragte Maria, während sie einen Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade bestrich. — Nervt dich der Chef immer noch?

— Ach nein, der ist ruhiger geworden, — Ivan goss sich Tee ein. — Dafür haben wir eine neue Sekretärin bekommen. Ganz jung, direkt von der Uni.

— Und, wie macht sie sich? — Maria biss in den Pfannkuchen.

— Gar nicht! — lachte Ivan. — Sie vertauscht die Unterlagen, verschüttet den Kaffee.

Gestern hat sie sogar geschafft, die halbe Kundendatenbank zu löschen. Zum Glück gab’s eine Sicherheitskopie.

Maria lachte mit ihm.

— Ich erinnere mich an mich selbst nach der Uni. Ich machte große Pläne, war sicher, sofort Chefin zu werden, — sie schüttelte den Kopf.

— Dann zerplatzten die Träume, und ich musste mich mit der Realität abfinden.

— Aber jetzt hast du wenigstens mich, — zwinkerte Ivan.

— Stimmt, jetzt habe ich meinen persönlichen Koch, — Maria streckte sich über den Tisch und nahm seine Hand.

— Und Klempner und Elektriker gleich dazu.

Sie saßen noch lange am Tisch, unterhielten sich über Kleinigkeiten und lachten herzlich.

Maria erzählte von ihren Arbeitskollegen, während Ivan von neuen Projekten berichtete.

Es waren diese einfachen Augenblicke des Glücks, aus denen ihr gemeinsames Leben bestand.

Doch allmählich begann sich etwas zu verändern.

Ivan blieb immer öfter länger im Büro.

Zunächst eine Stunde, dann zwei, und schließlich kam er fast immer erst gegen Mitternacht nach Hause.

Maria lag wach im Bett und hörte, wie leise das Schloss an der Haustür klickte.

Ivan bemühte sich, keinen Lärm zu machen, doch sie schlief trotzdem nicht.

Bereits seit zwei Monaten dauerte diese Situation an.

— Entschuldige, Mascha, wieder so spät, — murmelte Ivan, als er sich unter die Decke legte. — Wir mussten dringend einen Bericht fertigstellen.

— Wanja, vielleicht solltest du mal mit deinem Chef reden? — Maria drehte sich zu ihm. — Du kannst doch nicht ständig so arbeiten.

— Hab noch ein wenig Geduld, Liebling, — er nahm sie in den Arm. — Es ist eine gute Prämie in Aussicht. Im Herbst können wir in Urlaub fahren. Und nicht in irgendein billiges Ziel, sondern an einen schönen Ort.

Maria schmiegte sich fest an ihn. Seine Umarmung schenkte ihr immer noch ein Gefühl von Geborgenheit.

— Ich weiß, die Arbeit nimmt dir sehr viel Zeit, — flüsterte sie. — Aber ich vermisse dich einfach.

— Ich dich auch, — er küsste sie auf die Stirn. — Alles wird bald besser, du wirst sehen.

Eine Woche später stand Maria im Wohnzimmer vor dem offenen Koffer.

Die Sommerkleidung war ordentlich hineingelegt, es fehlte nur, den Reißverschluss zu schließen.

— Hast du alles eingepackt? — fragte Ivan aus dem Flur. — Ladegerät? Medikamente?

— Alles dabei, keine Sorge, — sie ging die Liste im Kopf durch. — Ich bin ja nur zehn Tage bei meinen Eltern.

— Richte Grüße aus, — Ivan trat näher und umarmte sie. — Schade, dass ich nicht mitkommen kann. Auf der Arbeit bekomme ich unmöglich frei.

— Das macht nichts, — erwiderte Maria die Umarmung. — Mama und Papa verstehen das.

Ivan griff nach dem Koffer.

— Ich trage ihn dir bis zum Taxi.

Gemeinsam gingen sie hinunter, Maria stieg ins Auto.

Ivan winkte ihr nach, und sie fuhr zum Bahnhof, von dort weiter ins Heimatdorf.

Das Elternhaus empfing sie mit dem Duft von frischem Brot und wohltuender Ruhe.

Die Mutter wirbelte geschäftig in der Küche, der Vater werkelte im Schuppen.

Alles war wie früher, nur dass Maria nun als Gast hierherkam.

— Mascha, wie geht es dir? Und Wanja? — die Mutter setzte sie an den Tisch und begann, aufzutischen.

— Alles gut, Mama. Wanja arbeitet sehr viel, — Maria griff nach einer Pirogge. — Herrlich!

Die Tage auf dem Land vergingen langsam und friedlich.

Maria half der Mutter im Haushalt, ging mit dem Vater zum Fluss und saß abends auf der Veranda.

Doch ihre Gedanken kreisten ständig um Ivan.

Sie sehnte sich nach seinem Lächeln, seinen Händen, ihren morgendlichen Gesprächen in der Küche.

Zehn Tage fühlten sich wie eine Ewigkeit an.

— Mascha, warum machst du Wanja nicht eine Freude? — schlug die Mutter am neunten Tag vor. — Fahr doch einen Tag früher heim.

— Mama, das ist eine großartige Idee! — rief Maria begeistert.

— Nimm auch meine Eingemachtes mit, — die Mutter stellte Gläser mit Erdbeeren und Himbeeren auf den Tisch. — Wanja mag doch Beerenkuchen?

Maria umarmte ihre Mutter herzlich und begann zu packen.

Am nächsten Morgen wollte sie mit dem ersten Zug nach Hause, zu ihrem geliebten Mann.

Im Zug konnte sie kaum stillsitzen vor Ungeduld.

Sie stellte sich vor, wie Ivan von der Arbeit zurückkommt, und sie ihn mit einem frisch gebackenen Kuchen überrascht.

Sie sah sein erstauntes, glückliches Gesicht vor sich, wie er sie auf die Arme nimmt und lachend durch das Zimmer wirbelt.

Ein Lächeln lag während der ganzen Fahrt auf ihren Lippen.

Die Mitreisenden warfen ihr neugierige Blicke zu, doch Maria war das gleichgültig.

Sie fuhr zurück in ihr Glück.

Vom Bahnhof nahm sie ein Taxi.

Der Fahrer redete über Staus und das Wetter, doch sie hörte kaum zu.

In ihren Gedanken sah sie nur Ivans strahlendes Gesicht.

Sie öffnete die Wohnungstür. Eigentlich müsste ihr Mann längst bei der Arbeit sein.

Sie hatte genug Zeit, um alles vorzubereiten.

Doch aus dem Wohnzimmer erklang weibliches Lachen.

Helles, jugendliches, unbeschwertes Lachen.

Maria erstarrte.

Der Koffer blieb draußen, die Tür halb offen.

Auf Zehenspitzen schlich sie den Flur entlang, das Herz klopfte bis zum Hals.

Da hörte sie Ivans Stimme:

— Hab noch ein bisschen Geduld, Liebes. Mascha hält mich für einen Prinzen. Ich werde sie überreden, mir einen Anteil an der Wohnung zu überschreiben. Sie wird nicht ablehnen. Danach reiche ich die Scheidung ein und nehme meinen Teil. Dann kaufen wir uns unser eigenes Nest.

Eine junge Frauenstimme lachte:

— Du bist so schlau! Ich wäre nie darauf gekommen.

— Deshalb löse ich auch all unsere Probleme, — Ivans Stimme war voller Zärtlichkeit, wie Maria sie schon lange nicht mehr gehört hatte.

Sie trat einen Schritt vor und stand plötzlich im Türrahmen.

Auf dem Sofa saßen Ivan und eine junge Frau — seine Sekretärin, die Maria einmal gesehen hatte.

Sie saßen dicht an dicht, Ivan hatte den Arm um ihre Schulter gelegt.

Beide erstarrten, als sie Maria bemerkten.

Ivan erblasste, das Mädchen wich erschrocken zurück.

— Ich bin etwas früher zurückgekommen, — sagte Maria erstaunlich ruhig. — Wollte dir einen Kuchen backen, eine Überraschung machen. Aber du warst schneller.

— Mascha, das ist nicht, was du denkst! — Ivan sprang auf.

— Und was soll ich dann denken? — Maria lächelte bitter. — Dass ihr den Quartalsbericht besprecht? Auf dem Sofa, Arm in Arm?

— Lass mich erklären…

— Ihr werdet keinen einzigen Quadratmeter meiner Wohnung bekommen! — schrie sie auf. — Hört ihr? Nicht einen Zentimeter!

Die Sekretärin drückte sich in die Sofalehne, während Ivan einen Schritt auf seine Frau zuging.

— Mascha, hör mir zu, mir fehlte deine Nähe, deine Liebe…

— Dir fehlte? — Maria konnte es nicht glauben. — Ich habe nur für dich gelebt!

— Aber ich war ständig bei der Arbeit, du warst nicht da… und Lena war immer neben mir, immer bereit zuzuhören…

— Dann bleib doch bei ihr, — Maria holte tief Luft. — Nimm sie und verschwindet aus meiner Wohnung. Seid zusammen, so lange ihr wollt.

— Mascha, verzeih mir! Ich war ein Narr!

— Steh auf, — sie wandte sich ab. — Erniedrige dich nicht. Geh einfach.

— Bitte, lass uns reden! Ich mache alles wieder gut!

— Raus! Beide! — schrie Maria.

Die Sekretärin sprang auf und rannte hinaus.

Ivan versuchte noch etwas zu sagen, doch Maria hörte nicht mehr hin.

Sie ging ins Schlafzimmer und begann, seine Sachen zusammenzupacken.

Hemden, Hosen, Socken — alles landete mechanisch in der Tasche.

Die letzte Tasche stellte sie hinaus auf den Flur und schlug die Tür zu.

Von draußen drang Ivans Stimme:

— Mascha, mach auf! Lass uns reden!

— Zu spät, — antwortete sie mit fester Stimme.

— Mascha, ich liebe dich! Es war ein Fehler!

Maria ging in die Küche, holte das Glas Himbeeren hervor — von der Mutter liebevoll eingemacht.

Sie setzte den Wasserkocher auf.

Einen Kuchen würde es nicht geben.

Aber sie kochte sich Tee.

Die Himbeeren würden ihre Nerven beruhigen.

Und danach würde sie überlegen, wie ihr Leben weitergeht.

Ohne Ivan.

Ohne den „Prinzen“, der sich als gewöhnlicher Lügner entpuppt hatte.