Es geschah, dass Nikolai Sergejewitsch allein mit zwei kleinen Kindern in einem großen Haus am Stadtrand eines Bezirkszentrums zurückblieb.
Alle Aufgaben im Haushalt und bei der Erziehung lagen ausschließlich auf seinen Schultern.

Er arbeitete als Chefingenieur auf dem Bezirksbusbetrieb und reiste oft dienstlich, um Autos, Ersatzteile und Ausrüstung zu besorgen.
Wenn nicht die Hilfe der alten Pakhomowna gewesen wäre — einer gutherzigen, hilfsbereiten und verlässlichen Frau — hätte Nikolai entweder seine lukrative Arbeit aufgeben oder die Kinder in ein Internat geben müssen.
Die jüngere Tochter, Nina, hörte alles, schwieg aber.
Die Ärzte sagten, man solle bis zum sechsten Lebensjahr warten, und wenn das Mädchen nicht sprechen würde, müsse man die Unterlagen für eine Spezialanstalt vorbereiten.
Aber bis dahin wich Nina keinen Schritt von ihrem Bruder Sacha, der nur ein Jahr älter war.
Sacha verstand seine Schwester perfekt und konnte sich immer ohne Worte mit ihr verständigen.
Deshalb wurden die Kinder nicht in den Kindergarten gegeben.
Doch Nina verstand nicht nur ihr Bruder.
Im Hof, in seiner eigenen Hundehütte, lebte ein riesiger zotteliger Hund namens Sultan.
Sein drohendes Bellen ließ die Fensterscheiben erzittern.
Der Hund respektierte nur seinen Herrn und Pakhomowna und hielt sich von allen anderen fern, wie es sich für einen echten Wachhund gehört.
Für alle Fremden hinter dem hohen Holzzaun war er ein Feind.
Aber die Kinder liebte Sultan bedingungslos.
Sie konnten in seine Hütte klettern, sich an seinem dichten Fell festhalten, ihn in eine alte Jacke des Vaters stecken — der Hund duldete alles und freute sich sogar über ihre Streiche.
Nikolai sah nicht selten, wie die kleine Nina dem riesigen Hund etwas ins Ohr flüsterte, und dieser hörte aufmerksam zu und folgte scheinbar den Befehlen, während er das Mädchen mit seiner rauen Zunge leckte.
Der Vater glaubte, dass sie sich tatsächlich verstanden — das stumme Kind und ihr treuer Wächter.
Pakhomowna blieb eine Stütze für die Familie, doch ihre Gesundheit schwand.
Sie seufzte oft:
— Du brauchst eine Haushälterin, Nikolai Sergejewitsch. Den Kindern eine Mutter, dir eine Helferin. Ich würde gern helfen, aber die Kräfte verlassen mich, die Gelenke lassen keine Ruhe. Du schaffst es nicht allein.
Zu den Novemberfeiertagen besuchte Nikolai ein alter Kamerad.
Am Abend, als er ihn zum Zug begleitete, gingen die Freunde ins Bahnhofsrestaurant.
Dort lächelte Nikolai eine freundliche Frau mittleren Alters an.
So lernte er Galina kennen.
Zunächst beschränkten sich die Treffen auf kurze Begleitungen nach ihrer Arbeit, aber bald erfuhr Nikolai, dass Galina Witwe war, keine Kinder hatte und erst kürzlich in ihre Stadt gezogen war.
Allmählich begann er, die Freundin zu sich nach Hause einzuladen.
Galina kam gepflegt, mit kleinen Geschenken und Spielsachen, spielte den ganzen Tag mit den Kindern, malte und las ihnen Märchen vor.
Sacha und Nina fühlten sich zu ihr hingezogen.
Doch Sultan nahm sie sofort feindselig auf: er begegnete ihr mit Knurren und verweigerte das Futter aus der Hand.
— Macht nichts, sie wird sich gewöhnen, — versuchte Nikolai zu beruhigen.
Zu Neujahr zog Galina endgültig ins Haus ihres Mannes.
Sie heirateten, sie gab ihre Arbeit auf und kümmerte sich um den Haushalt.
Das große Haus gefiel ihr: sie stellte Möbel um, reinigte die Teppiche, wusch die Fenster.
Nikolai spürte zum ersten Mal seit langer Zeit Ruhe: die Kinder waren gepflegt, das Haus in Ordnung, Dienstreisen konnten ohne Sorge angetreten werden.
Doch bald veränderte sich Galina.
Fremde Kinder begannen sie zu stören, raubten ihr die ganze Zeit.
Nun war es unmöglich, unbeschwert Freunde zu treffen, ins Restaurant zu gehen oder zu grillen.
Sie begann, sich an Sacha und Nina auszureagieren und sperrte sie wegen Lärm oder Lachen in den winzigen Abstellraum.
Stundenlang saßen die Kinder im Dunkeln, während der Bruder die Schwester tröstete.
Sacha wurde verboten, sich beim Vater zu beschweren — man drohte ihm mit strenger Bestrafung.
Die Kinder fanden Rettung im Hof, bei Sultans Hütte.
Nur in seiner Nähe fühlten sie sich sicher.
Der riesige Hund hasste Galina und ließ sie nicht in seine Nähe.
Versuche, seine Zuneigung zu gewinnen, waren vergeblich.
Sogar Leckerlis lehnte er knurrend ab.
Nikolai erlaubte seiner Frau nicht, den Hund zu vertreiben, und sie hegte Groll.
Wenn der Mann fort war, veranstaltete Galina laute Partys.
Die eingeschüchterten und hungrigen Kinder rannten aus dem Haus zu Sultan und schliefen neben ihm ein.
Hinter dem hohen Zaun sah niemand ihr Elend, nur das Bellen des Wachhundes war zu hören.
Ende des Sommers kamen die Pilze, und die Familie ging oft in den Wald.
Eines Tages entdeckte Galina bei einem alten Steinbruch einen verlassenen, rostigen Wagen.
Dieser Fund blieb ihr in Erinnerung.
Spät im Herbst fuhr Nikolai wieder auf eine Dienstreise.
Galina zog die Kinder überraschenderweise festlich an, kaufte ihnen Spielzeug und Süßigkeiten.
Die Nachbarn lobten sie für ihre Fürsorge.
Doch nach seiner Rückkehr sperrte sie die Kinder wieder bis zum Abend in die Abstellkammer.
Als es dunkel wurde, trank die Frau zur Ermutigung, führte Sascha und Nina in den Hof und ging mit ihnen über das brachliegende Feld.
Nina fror, und Galja trug sie auf den Armen.
Am Steinbruch angekommen, brachte sie die Kinder in denselben Bauwagen.
Dort fesselte sie sie, stopfte Sascha den Mund zu und schob den verrosteten Riegel vor, bevor sie ging.
Von Alkohol benebelt, flüsterten Galinas Gedanken ihr die nächsten Schritte zu.
Sie riss das Hoftor und die Haustür weit auf, zerwühlte die Kinderbetten, verstreute Spielzeug im Zimmer.
Am Morgen, wenn der Frost seine grausame Arbeit beendet hatte, würde sie Alarm schlagen und ein Unglück vortäuschen können.
Jetzt blieb nur eins — sich betrinken und schlafen gehen.
Sultan heulte langgezogen und laut, sein Klagen zerschnitt die Stille und bohrte sich wie Nägel in die Schläfen.
Galina trank wie gewohnt den letzten Rest Wodka aus, fiel ins Bett und schlief bald ein.
Der Hund jedoch sammelte übermenschliche Kräfte, schob seine schwere Hütte beiseite, riss den Karabiner ab und verschwand in der dunklen Nacht.
Stepan, ein erfahrener Fahrer, ehemaliger Frontaufklärer, fuhr von einer Tour über die verlassene Landstraße zurück.
Die Müdigkeit drückte ihm die Augen zu, doch zu Hause warteten Frau und Kinder.
Plötzlich sprang aus der Dunkelheit ein riesiger, zottiger Hund direkt vor seinen Wagen.
Nur durch ein Wunder kam das Tier nicht unter die Räder.
Der Hund lief hin und her, bellte laut und rannte dann in Richtung Wald.
Die Schläfrigkeit verflog beim Fahrer, er fuhr nun wachsam weiter.
Wenige Minuten später erfassten die Scheinwerfer die Silhouette einer Frau.
Eine junge Frau in einem leichten weißen Kleid stand am Straßenrand, lange nasse Haare waren mit einem schwarzen Tuch bedeckt.
Sie hob die Hand wie zum Anhalten und zeigte in Richtung des Waldes.
Neben ihr sprang derselbe Hund, rannte mal in den Wald, mal kehrte er zurück.
Die Szene wiederholte sich mehrmals.
Der verwunderte Fahrer verstand — hier war etwas nicht in Ordnung.
Er stieg aus dem LKW und folgte Hund und Frau.
Im verlassenen Bauwagen fand er zwei fast erfrorene Kinder.
Er löste ihre Fesseln, wickelte die Kleinen in seine wattierte Jacke und rannte mit ihnen zum Wagen.
Die Frau und der Hund verschwanden so plötzlich, wie sie erschienen waren.
Er brachte die Kinder zur Miliz.
Als Sascha zu sich kam, erzählte er alles, was geschehen war, und nannte die Adresse des Hauses.
Die Kinder wurden sofort ins Krankenhaus gebracht, und der Dorfpolizist fuhr zusammen mit einem Ermittler und Stepan zur angegebenen Adresse.
Sultan empfing sie im Hof.
Doch zum ersten Mal in seinem Leben ließ der Hund die Menschen die Veranda betreten.
Stepan erkannte den Wachhund sofort und zeigte den Milizionären auf ihn.
Der Hund heulte und wollte ins Haus, doch man hielt ihn zurück.
Im Haus fanden sie Galina in stark betrunkenem Zustand.
Die Frau leugnete alles, verstrickte sich aber bald in Widersprüche und gestand unter dem Druck des Ermittlers ihre Schuld.
Der Lärm lockte die Nachbarn an, und bald versammelte sich eine Menschenmenge am Hof.
„Beschreiben Sie die Frau, die Sie auf der Landstraße anhielt und zum Steinbruch führte“, bat der Milizionär und schrieb die Aussage in sein Notizbuch.
Stepan stand auf, trat zum Porträt einer jungen Frau an der Wand und sagte fest:
„Beschreiben ist nicht nötig.
Das war sie!“
Die Nachbarn schnauften entsetzt, und Totenstille herrschte.
„Sehen Sie genauer hin, sind Sie sicher?“ — fragte der Offizier.
„So sicher, wie ich Sie jetzt sehe.
Das war sie, ohne jeden Zweifel!“ — bestätigte Stepan erneut.
Als Nikolai, der früher zurückgekehrt war, von der Miliz erfuhr, was passiert war, erbleichte er und griff sich ans Herz.
Als er sich etwas erholt hatte, erzählte er, dass das Porträt seine erste Frau Olga zeige, die Mutter von Sascha und Nina.
Sie war vor drei Jahren gestorben, ertrunken, als die Kinder noch sehr klein waren.
Galina wurde aus dem Haus geführt, während sie Nikolai um Vergebung anflehte.
Da sprang Sultan aus der Dunkelheit hervor und verbiss sich ins Bein der verhassten Stiefmutter.
Nur mit Mühe gelang es, den rasenden Hund von der schreienden Frau wegzureißen.
Als im Hof Stille einkehrte, erlaubte sich Nikolai zum ersten Mal eine Schwäche — er brach in Tränen aus wie ein Kind.
Er führte Sultan ins Haus, umarmte ihn fest um den Hals, drückte sein Gesicht in das nasse Fell und hinterließ salzige Spuren seiner Tränen auf der Hundeschnauze.
In der Küche gab der Mann seinem treuen Freund eine ganze Wurststange und eilte dann, nachdem er die Tür verschlossen hatte, ins Krankenhaus zu den Kindern.
Später, in Olgas Heimatstadt, lag auf dem schwarzen Marmormonument ihres Grabes ein großer Strauß roter Rosen im Schnee — wie ein Zeichen, dass sie ihre Kinder auch nach dem Tod weiter beschützte.



