Vikas Herz schlug wild in ihrer Brust, als würde es die letzten Sekunden vor der Explosion einer glänzenden Zukunft herunterzählen, voller Luxus, Seidenkleider und ewiger Bewunderung.
Jeder Pulsschlag war wie ein Echo der bevorstehenden Hochzeit – einer Feier, die ihr Leben für immer verändern sollte.

Die Ehe mit Timur versprach nicht nur Status, sondern eine ganze Welt grenzenloser Möglichkeiten: teure Boutiquen, Reisen zu den exquisitesten Resorts, Partys auf Yachten, bei denen jeder Blick über ihre perfekte Figur gleiten würde.
Vika stellte sich langsam vor den Spiegel, reckte sich wie eine Katze und genoss ihr eigenes Spiegelbild.
Ihr schlanker Körper, betont durch das eng anliegende Hochzeitskleid, das mit tausenden funkelnden Strasssteinen verziert war, schien geschaffen, um zu erobern.
Sie strich mit der Hand über den Stoff und spürte, wie die kalten Funken der Edelsteine sich scheinbar in ihre Haut bohrten, und flüsterte mit einem triumphierenden Lächeln:
– Wenn ich in der Kirche auftauche, werden alle erstarren. Alle werden flüstern: „Eine Göttin! Wer ist sie? Woher kommt sie?“
Und dann… dann werde ich verschwinden. Ich fliege in ein neues Leben, verlasse diese Stadt, diese Straßen, diese Menschen – alles, was vorher war.
Und dann… dann wird mein Mann mir die Geschenktruhe öffnen.
Ich frage mich, was er vorbereitet hat? Eine Diamantkette? Eine Yacht? Oder vielleicht Schlüssel zu einer Villa an der Côte d’Azur?
Mit diesen Gedanken riss sie plötzlich den Schrank auf, zog wütend jede Schublade heraus und durchwühlte den Inhalt auf der Suche nach einem Hinweis auf ein Geschenk.
Aber – keine Spur. Keine Schachtel, kein Umschlag, nicht einmal ein Zettel.
Vika runzelte die Stirn, ihre Lippen verzogen sich zu einem misstrauischen Grinsen.
– Schlaumeier! – zischte sie, als hätte sie ihn bei einer Lüge ertappt.
– Hat er alles bei sich versteckt? Na gut, wir werden sehen, wie du dich vor mir versteckst.
Sie wartete auf den Moment, in dem das Haus in Stille versank, die Diener verschwanden und Timur ins Fitnessstudio ging.
Und dann schlich sie wie ein Schatten in sein Zimmer – geräumig, edel, mit Designermöbeln und dem Duft teuren Parfums.
Das Zimmer eines reichen Typen, Sohn eines einflussreichen Geschäftsmanns, war die Verkörperung seiner Vergangenheit: ein Hochschulabschluss verstaubte im Regal, daneben Fotos aus seinem Kurierjob, den er nach drei Monaten aufgab, weil er den „Sklavendienst“ nicht aushielt.
Aber mit Vikas Auftauchen änderte sich alles. Er begann, über Karriere, über Business, über Zukunft zu sprechen.
Oder war das nur ein Spiel, um sie zu halten?
Vika trat an den Kleiderschrank, öffnete ihn und erstarrte.
Am Bügel hing ein makelloser schwarzer Smoking – perfekt, teuer, mit feiner Stickerei an den Revers.
Ihr Herz schlug wieder schneller.
Sie streckte die Hand aus, als würde sie ein Symbol ihres Sieges berühren, und schob die Finger in die Tasche.
– Na los, Timur, gib’s zu, was hast du da versteckt? – flüsterte sie lachend.
Aber anstelle von Diamanten oder Autoschlüsseln stießen ihre Finger auf etwas Glattes, Papierartiges.
Sie zog einen bunten Prospekt heraus, schlug ihn auf – und ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen.
– Was soll das für ein schlechter Scherz sein?! – kreischte sie, als sie das Bild von Schneelandschaften, Wäldern und die Aufschrift sah: „Reise nach Jakutien. Winterextreme. Sauna im Schnee. Begegnung mit Rentierzüchtern.“
– Im Ernst?! Statt Paris, Venedig, Monte Carlo – Sibirien?! Ist das ein Witz? Oder willst du mich einfrieren?!
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Im Türrahmen stand Timur, im Sporthemd, mit einem Handtuch um den Hals.
Er sah sie – mit dem Prospekt in der Hand, mit einem vor Wut verzerrten Gesicht – und verstand: der Moment der Wahrheit war gekommen.
– Vika, was machst du in meiner Tasche? – fragte er kalt.
– Hast du nie gelernt, die Privatsphäre anderer zu respektieren? Das ist nicht dein Schrank!
– Ich wollte nur wissen, was du mir vorbereitet hast! – antwortete sie, bemühte sich, ihre Würde zu bewahren, aber ihre Stimme zitterte.
– Ich habe es verdient zu wissen, was mein Hochzeitsgeschenk sein wird!
Timur sah sie mit gleichgültiger Ruhe an.
– Du siehst gerade aus wie die Medusa – sagte er.
– Ein Blick von dir, und man wird zu Stein.
– Und du bist ein Lügner! – schrie Vika, vor Wut fast erstickend.
– Du wolltest mich in die Einöde schicken, in die Taiga, als wäre ich irgendeine Ausgestoßene! Es reicht! Ich will diese Hochzeit nicht mehr! Ich will dich nicht mehr! Such dir irgendeine andere Dumme, die sich über deine miesen Scherze freut!
Mit diesen Worten warf sie den Prospekt zu Boden, drehte sich abrupt um und rannte aus dem Zimmer.
Die Tür schlug so heftig zu, dass die Fenster zitterten.
Ihre Absätze klackerten laut auf den Marmorstufen, trugen Träume, Hoffnungen und falsche Liebe davon.
Eine Sekunde später stürmten Timurs Eltern ins Zimmer – Ignat Wladimirowitsch und Natalja Sergejewna.
Der Vater, ein großer Unternehmer mit strengem Blick und grauen Schläfen, erkannte sofort: Etwas war schiefgelaufen.
– Was ist hier los? – fragte er fordernd.
– Wo ist Vika?
– Sie ist weg – antwortete Timur ruhig, während er sich aufs Bett setzte.
– Es wird keine Hochzeit geben.
– Wie, es wird keine Hochzeit geben?! – brüllte der Vater.
– Bist du verrückt geworden?! In drei Tagen kommen unsere Partner aus Deutschland, der Kulturminister, Vertreter der Stiftung!
Das ist nicht nur eine Hochzeit – das ist ein Deal! Du solltest dieses Mädchen heiraten, um unsere Verbindungen zu stärken! Und jetzt… lässt du sie einfach gehen?
– Soll sie doch gehen – zuckte Timur mit den Schultern.
– Ich renne niemandem hinterher, der nicht bei mir sein will. Und ehrlich gesagt… ich bin sogar froh.
– Du bist froh?! – kreischte die Mutter.
– Verstehst du, dass du die ganze Familie blamiert hast? Was sollen die Leute sagen?
– Vielleicht sollten wir lieber abwarten? – mischte sich Natalja Sergejewna sanft ein.
– Vielleicht überlegt sie es sich anders? Vielleicht kommt sie zurück?
– Und wenn nicht? – fauchte Ignat.
– Was dann? Soll ich erklären, warum mein Sohn die Braut einen Tag vor der Hochzeit verlassen hat? Das ist eine Schande! Du musst heiraten. Irgendwen. Zur Not die Erstbeste!
Timur dachte nach. In seinem Kopf flackerte eine Idee auf. Leicht, frech, fast verrückt. Er lächelte.
– Warum eigentlich nicht? – flüsterte er.
– Warum nicht die Erstbeste heiraten?
Draußen, im Park, am Brunnen, saß ein Mädchen. Polina. Einfach, bescheiden, mit dunklem Haar und klugen Augen.
Sie aß ein geschmolzenes Eis zu Ende, das ihr über die Finger tropfte.
Die Tüte war schon ganz nass, aber sie konnte sie nicht wegwerfen – als wäre es das Letzte, was sie mit einer kleinen Freude an einem gewöhnlichen Tag verband.
– Warum habe ich das überhaupt gekauft? – murmelte sie.
– Jetzt hab ich’s nicht gegessen, und zum Wegwerfen ist’s auch zu schade.
– Weil das Vergnügen nicht im Eis liegt, sondern im Moment selbst – ertönte eine Stimme neben ihr.
Vor ihr stand Timur, mit einem Lächeln, als wäre er gerade aus einer Werbung gestiegen.
– Oh, entschuldigen Sie – sagte Polina und wich zurück.
– Ich habe Sie nicht bemerkt. Wollten Sie etwas?
– Ja. Ich möchte dir vorschlagen, meine Braut zu werden – sagte er direkt.
Polina erstarrte. Dann lachte sie.
— Machen Sie Witze? Ist das eine Art Schnitzeljagd? Oder ist irgendwo eine versteckte Kamera?
— Nein, — sagte Timur ernst.
— Ich schlage dir vor, meine Frau zu werden.
Für einen Tag.
Nur für die Hochzeit.
Danach — Scheidung.
Und im Gegenzug — eine Wohnung in einem Wohnviertel.
Dein eigenes Zuhause.
Ohne Schulden.
Polina sah ihn an, als wäre er verrückt.
— Wollen Sie etwa ein armes Mädchen reinlegen?
Ich habe in zwei Stunden einen Bericht auf der Arbeit!
Ich habe keine Zeit für Ihre Fantasien!
— Ich mache keinen Spaß, — wiederholte er.
— Ich bezahle.
Sofort.
Wir machen einen Vertrag.
Garantien, Unterlagen, alles gesetzlich geregelt.
— Und warum brauchen Sie das? — fragte sie vorsichtig.
— Meine Braut ist weggelaufen.
Die Hochzeit muss stattfinden.
Mein Vater wird mir nicht verzeihen, wenn ich alles absage.
Und du… du warst einfach in der Nähe.
Oder besser gesagt — im Blickfeld.
Glück gehabt.
— Sie… Sie gefallen mir nicht, — sagte Polina ehrlich und hob stolz das Kinn.
— Sie sind zu… aufgesetzt.
— Aber die Wohnung ist nicht aufgesetzt, — lächelte er.
— Denk nach.
Du kannst umziehen, ein neues Leben anfangen.
Ohne Schulden.
Ohne Mietwohnung.
Ohne Nachbarn, die nachts Krach machen.
Sie schwieg.
In ihrem Kopf blitzte es auf: „Was, wenn das eine Chance ist?
Was, wenn es Schicksal ist?“
— Gut, — sagte sie schließlich.
— Ich bin einverstanden.
Aber nur mit Garantien.
Und keine Tricks.
— Kein einziger, — versprach Timur.
Die Hochzeit fand in einer luxuriösen Villa statt.
Die Gäste tranken Champagner, tanzten, applaudierten.
Aber Polina fühlte sich fremd.
Lächeln, Küsse, Umarmungen — all das war unecht.
Sie ertrug es wegen der Wohnung.
Wegen der Zukunft.
Aber als Timur sie am Abend in ein separates Zimmer einlud, wurde sie misstrauisch.
— Wozu das? — fragte sie.
— Wir hatten doch nur eine Hochzeit vereinbart.
— Du schläfst einfach bei uns.
Damit alles glaubwürdig aussieht.
Morgen — und du bist frei.
— Wie Aschenputtel nach dem Ball, — lächelte sie.
— Nur dass meine Kutsche sich nicht in einen Kürbis verwandelt, denn ein Auto haben Sie mir nicht versprochen.
— Bist du… traurig? — fragte er plötzlich, während er sie im Halbdunkel ansah.
— Ein bisschen.
Das ist alles so seltsam.
Als wäre ich Teil eines Spiels.
Timur schwieg.
Er sah sie an und merkte plötzlich:
Er will nicht, dass sie geht.
Er will nicht, dass dieser Tag endet.
Er will nicht, dass alles wieder so wird wie vorher.
— Weißt du… — sagte er leise.
— Gehen wir morgen in ein Restaurant?
So richtig.
Ohne Kamera, ohne Vater, ohne Vertrag.
— Einfach so? — wunderte sie sich.
— Warum „einfach“?
Ich lade ein hübsches Mädchen zum Abendessen ein.
Ist das kein Anlass?
Polina sah ihn an.
In ihren Augen blitzte zum ersten Mal an diesem Tag Wärme auf.
— Ich glaube, ich bin in ein Märchen geraten, — flüsterte sie.
— Und ich will nicht aufwachen.
Sie trat auf ihn zu — und umarmte ihn.
Fest.
Als hätte sie Angst, dass er verschwindet.
Eine Woche später, als die Frischvermählten — diesmal wirklich, aus Liebe — die Stadt verließen, stand Ignat Wladimirowitsch am Tor und sah ihnen mit einem verschmitzten Lächeln nach.
— Na so was, — murmelte er.
— Wer hätte gedacht, dass dieses stille Mädchen das Herz unseres gefühlskalten Erben schmelzen würde?
— Das ist kein Mädchen, — antwortete Natalia Sergejewna leise.
— Das ist Schicksal.
Güte, Aufrichtigkeit, Einfachheit — das hat ihn verändert.
Möge ihr Glück bestehen.
Denn manchmal kommt das größte Glück nicht in Diamanten, sondern in geschmolzenem Eis.



