„Jede Bewegung raubte die letzten Kräfte“, – Nikita spürte, wie bleierne Wellen der Schwäche sein Bewusstsein überrollten.
Der Versuch, den Kopf zu drehen, endete in schmerzlicher Niederlage – die Nackenmuskeln schienen mit dem Kissen verwachsen zu sein.

Aus Hilflosigkeit schlossen sich die Augenlider von selbst und ließen Schwärme von Erinnerungen frei…
Auf dem Heimweg an jenem verhängnisvollen Tag bog er bereits in den Hof ein, als er Nikis Auto bemerkte.
Wie immer beim Telefonieren hatte sie das Auto mitten auf der Zufahrt abgestellt und ignorierte die Signale und Flüche der Fahrer.
Er seufzte nur und freute sich über die Leere auf dem Gelände.
Schon auf dem Weg zur Parkbucht fiel ihm plötzlich ein rasender Kleinbus auf.
Das Fahrzeug schlängelte sich wie ein verletztes Tier zwischen den Reihen hindurch und zwang die Autos, zur Seite zu springen.
Kalter Schweiß lief Nikita den Rücken hinunter – es war klar, dass der Fahrer vor Nikis Wagen nicht bremsen würde.
„Bremsen!“ – er schlug mit der Faust auf die Hupe, doch seine Frau lachte weiterhin ins Telefon und winkte mit der freien Hand.
Die Sekunden zogen sich wie eine gespannte Feder.
Selbst wenn er sich zwischen Bus und ihr Auto zwängte, war der Aufprall an der Betonwand unvermeidlich.
Im letzten Moment trat er das Pedal durch und lenkte die Stoßstange in die Seite des Vans.
Die letzte Erinnerung – die kippende Maschine und die brennende Erleichterung.
Dann – bodenlose Dunkelheit.
Als er zu sich kam, schloss er die Augen gegen das grelle Licht der Lampen.
Durch den Nebel hörte er Nikis Schluchzen:
„Nikituschka, wie konntest du?“
„Der Van… fuhr… direkt auf dich zu…“ – die Worte entkamen ihm in heiseren Fragmenten.
Sie sprang zurück, der Blick wurde eisig:
„Verrückter! Er hätte abgebogen!“
Er tat so, als schlafe er, während seine Frau mit den Absätzen durch den Flur stampfte.
Zwei Wochen im Krankenhaus verwandelten sich in einen Albtraum.
Geheimnisvolle Injektionen verursachten Kribbeln in den Beinen, aber die Gliedmaßen zu kontrollieren war unmöglich.
Der Chirurg vermied den Blickkontakt:
„Geduld. Alles läuft nach Plan.“
Ein zufällig belauschtes Gespräch mit dem Arzt zerstörte die letzten Hoffnungen:
„Chancen auf Genesung?…“ – Nikis Stimme zitterte.
„Es erfordert ein Zusammenwirken von hundert Faktoren. Fast ein Wunder“, – die Antwort hing wie eine schwere Glocke.
„Also soll ich jetzt ein Gemüse betreuen?“ – der Ausbruch klang lauter als die Worte.
Nikita krallte sich in die Bettlaken und erkannte die Wahrheit: Seine Beine würden nicht mehr gehorchen.
Der Dorfjunge, der vor Mutter und Verlobter Lena in die Stadt geflüchtet war, wurde nun zum Gefangenen von vier Wänden.
Nika, die sich in seine Stabilität und sein Einkommen verliebt hatte, war zu einem fremden Menschen geworden.
Die Entlassung aus dem Krankenhaus traf ihn wie ein neuer Schlag.
Er lehnte den Rollstuhl ab und starrte stundenlang auf einen Riss in der Wand.
Als die herausgeputzte Nika mit Pflegern auftauchte, lachte er heiser:
„Fahr mich direkt auf den Friedhof. Spart Taxi-Kosten.“
Durch den Rückspiegel warf sie einen Blick voller Ärger und Angst.
Es kam keine Antwort.
— Nikit, bitte, hör ohne Emotionen zu. — Nikas Stimme klang, als diktiere sie eine Anweisung. — Das Leben, von dem ich träumte, ist mit deiner… Situation nicht vereinbar.
Die Entscheidung, mich zu retten, lag bei dir.
Meine Entscheidung ist, mich nicht lebendig zu begraben.
Die Stadt, die Wohnung — dort hast du keinen Platz mehr.
Ich werde die Scheidung nicht einreichen, vielleicht werde ich ab und zu vorbeischauen.
Die Firma werde ich unter Kontrolle nehmen — ich kenne alle Feinheiten.
Ich hoffe, wir kommen ohne Hysterie aus.
Er presste die Armlehnen des Sessels, nickte kaum merklich.
— Wohin… fährst du? — fragte er heiser und wandte den Blick von ihrem im Sonnenlicht glänzenden Maniküre ab.
— Zu meiner Mutter. — Sie klickte den Verschluss ihrer Tasche auf und holte einen Spiegel heraus. — Sie soll sich kümmern.
— Weiß Mama Bescheid? — er bohrte seinen Blick in den Hinterkopf von ihr.
— Wir liegen im Streit. Du weißt schon. — Ihre Schultern zuckten gereizt.
— Sie weiß nicht einmal von der Katastrophe! — seine Stimme brach. — Das ist ein Schlag für sie!
Nika biss sich auf die Lippe und drückte das Pedal durch.
Er hielt das Telefon in der Hand — sich zu trauen, die eigene Nummer zu wählen, wagte er nicht.
Das Dorf empfing sie mit Stille, unterbrochen vom Krächzen der Krähen.
— Wir sind da. — Sie stieg aus, ohne sich umzudrehen, und deutete auf die Tasche im Kofferraum. — Ich habe einen Stuhl mit Elektroantrieb gekauft. Modern.
Aber deine Mutter… Ich will sie nicht sehen.
Er saß am Straßenrand und sah dem in Staub verschwindenden Auto nach.
Die Tasche rutschte auf den Asphalt, aber er hatte keine Kraft, sie aufzuheben.
Am Gartentor erstarrte er — wie sollte er seiner Mutter seinen Zusammenbruch erklären?
— Oma, sei ruhig! — eine helle Stimme ließ ihn zusammenzucken.
Auf der Veranda huschte ein Mädchen in einem Baumwolldress, verschwand im Haus.
Einen Moment später umarmte die Mutter ihren Sohn zitternd und weinte in seine Brust:
— Alles wird gut, mein Sohn. Alles…
Die Worte ließen das Eis in seiner Brust schmelzen.
Er bemerkte Dasha, die sich hinter der Tür heranschlich:
— Mama, wer ist diese strenge Helferin?
Die Frau holte tief Luft:
— Dashenka… Lenas Tochter. — Flüsternd fügte sie hinzu: — Sie wurde nach deiner Abreise geboren. Sag noch nichts…
Die Welt schwankte.
Doppelschlag — Lähmung und eine Tochter, von der er nichts wusste.
Er starrte das Mädchen an, erkannte die Ähnlichkeit zu Lena mit fünfzehn.
— Nikit… — die Stimme hinter ihm ließ ihn sich umdrehen.
Lena stand mit einem Korb Äpfel da, die Augen glänzten feucht.
— Erinnerst du dich, wie wir schworen, nicht aufzugeben?
Er lachte, erinnerte sich an die Fabel von den Fröschen im Krug.
Die Worte blieben ihm im Hals stecken, als Dasha heransprang und ihn um den Hals fasste:
— Papa, wir werden dich heilen! Ich verspreche es!
Tränen flossen von selbst.
Im Fenster tauchten Schatten auf — Lena und die Mutter, die durch das Weinen flüsterten:
— Du hast gefunden… bist zurück…
Einen Monat später verkaufte er die Firma an einen Assistenten, in Ratenzahlung vereinbart.
Das Geld steckte er in ein Online-Geschäft — entwarf Türdesigns, liegend auf der Veranda.
Als Nika vom Verkauf erfuhr, machte sie einen Skandal, aber die Scheidungspapiere lagen bereits beim Notar.
— Ich werde heiraten, — teilte er einem Freund mit, während er auf die Veranda fuhr. — Stell dir vor, ich habe eine Tochter!
— Papa, du Lügner! — Dasha stampfte mit den Füßen, die Augen voller Ärger. — Warum hast du nichts gesagt?
— Ich dachte, was für ein Vater ich wäre… — er winkte ab.
Das Mädchen schmiegte sich an ihn wie ein Kätzchen:
— Du hast doch gesagt: das Wichtigste ist hier! — sie tippte ihm mit der Hand auf die Brust.
Aus dem Fenster war ein Schnaufen zu hören — Lena wischte Tränen und drückte das Hochzeitskleid an sich.
Die Luft roch nach Äpfeln und Vogelbeeren.
Das Leben schien gerade erst zu beginnen.